|
Leonhard Kern (1588 -1662) |
|
Schon als Kind hielt er sich mit Vorliebe in der väterlichen
Werkstatt auf. Bald war zu erkennen, dass hier eine ausgesprochen
künstlerische Begabung heranwuchs, die es zu fördern galt. Sein
geistiges Rüstzeug erwarb sich Kern – als einziger unter seinen
Geschwistern – am hohenlohischen Landesgymnasium in Öhringen. Er
verließ dasselbe jedoch schon im Alter von 14 Jahren, um bei
seinem ältesten Bruder Michael eine Bildhauerlehre zu beginnen. Bis zu Beginn der Dreißiger Jahre kam es dann zu einer freien Auffassung bei der Gestaltung seiner Statuetten. Die dritte, bis etwa 1640 reichende Periode, zeigt in Kerns Werken alle Formelemente der Barockskulptur. Souverän beherrscht er die Balance der Spannungsgegensätze von Raum und Plastik, von Ruhe und Bewegung, von Haupt- und Nebenansicht. In den anschließend, bis ca. 1645 entstandenen Werken vollzieht sich der Wandel vom klassischen Barock zum Realismus. Beispielhaft dafür ist eine Gruppe der drei Grazien in Budapest. Während seiner ersten Tullauer Jahre pflegt Kern einen Klassizismus von fast rokokohafter Anmut; in seinen letzten Lebens- und Schaffensjahren schließlich erscheinen in den wenigen bekannt gewordenen Werken die Erfahrungen eines langen Lebens vergeistigt und künstlerisch sublimiert.
„Die singuläre Bedeutung Leonhard Kerns - und damit der
fundamentale Unterschied zu allen zeitgenössischen Bildhauern –
liegt jenseits stil- und kunstkritischer Probleme. Es ist das
unaufhörliche Bemühen des Künstlers, den Menschen in seiner
Ganzheit, seine innere und äußere Wahrheit zu erfassen und, weit
über die reine Naturtreue hinausgehend, ja selbst das gängige
Schönheitsideal in Frage stellend, ihn als geistiges Wesen zu
begreifen und in ihm das Transzendentale durchscheinen zu lassen.“
|